24ter Hungertag

Sanktionshungern, Tag 24:

Liebe Freude –

nachdem das Jobcenter unter dem aus meinem Hungern entstandenen öffentlichen Druck von sich aus zwei von drei gegen mich verhängte Sanktionen für ungültig erklärt hat, weiß ich noch nicht, was ich machen werde.

Es sind so viele Fragen offen:

Die Gründe der Rücknahme sind in den Bescheiden nicht zu sehen …

War es Fahrlässigkeit des Amtes oder haben meine vorgebrachten Gründe überzeugt?

Gibt es Schadensersatz – z.B. für aufgelaufene Mahngebühren?

Gibt es Schmerzensgeld für das unrechtmäßig erfahrene Leid?

Wie will die Behörde überhaupt rechtfertigen, dass 2/3 der Bescheide, selbst nach Maßgabe ihrer durchwegs verfassungswidrigen Gesetze, unrechtmäßig sind? Und dies Angesichts der existenzbedrohenden Schwere und Bedeutung der „Bestrafung“?

Hat sie mit den Sanktionen bis zu Hunger und Obdachlosigkeit nicht ohnehin ein viel zu scharfes Schwert in der Hand – und ist dazu noch unfähig, es auch nur im Sinne ihrer eigenen Gesetze regelhaft zu führen?

Wie wird mit mir in der Zukunft verfahren werden?

Werde ich weiter sanktioniert, weil ich den Verfassungsbruch des Hartz IV-Systems nicht anerkenne? (Arbeitsverweigerung wird man mir ja wohl in keiner Weise irgendwie vorwerfen können …)

Sollte ich in absehbarer Zeit wieder in den Hunger getrieben werden – und die Gründe dafür sind tausendfach gelegt (s. z.B. hier>>) – kann das zu irreparablen Schäden bei mir führen …

Große Entscheidungen brauchen etwas Zeit. Da bitte ich um noch etwas Geduld.

Mit herzlichem Gruß, euer Ralph
P.s.: Heute habe ich vergessen, mich zu wiegen ..

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5 Kommentare zu “24ter Hungertag

  1. Norbert November 25, 2012 um 10:48 am Reply

    Das mit dem Zelt vor dem Jobcenter ist eine gute Idee, Felix!

    • felix November 28, 2012 um 10:20 am Reply

      Danke lieber Norbert, gute und machbare ideen traue ich mir zu, nur mit der konkreten umsetzung, hab ich dann meist keine zeit und wirkliche muße 😉
      Allerding setze ich nie ein patent auf meine ideen, aufgreifen, umsetzen, erfolg haben..das fänd ich klasse 🙂

      lg

      der felix

  2. AlterKnacker November 25, 2012 um 8:05 am Reply

    Ich sitze jeden Tag mit den gleichen Selbstzweifeln in dem Zimmer des Obdachlosenasyls, in dem ich jetzt seit 20 Monaten existiere … ohne meinen Computer hätte ich mich schon in den Knast katapultiert, weil ich dann nämlich auf irgend jemanden losgegangen wäre. Ich kann schreiben, ich kann mich wehren und doch bleiben die Selbstzweifel nicht aus.

    Nach meinem Herzinfarkt im April letzten Jahres (kann hier nachgelesen werden in verschiedensten Beiträgen: http://alterknackers.wordpress.com/) ist Denken und Handeln zeimlich abstrakt geworden (http://freies-in-wort-und-schrift.info/2012/11/14/jakob-augstein-der-widerspruch-im-widerspruch/). Ich will helfen, wie in diesem Beitrag ersichtlich, aber ich selbst fühle mich hilflos gegenüber den Strukturen der Macht.

    Ich bin bei Dir in Gedanken, wäre aber selbst zu feige, Deinen Weg durchzuziehen, da ich einen starken Überlebenswillen habe und sehr rational denke und handele.

    • felix November 28, 2012 um 10:14 am Reply

      Hört sich alles ganz schön scheisse an, alter k.
      Kann man dir helfen, in welcher gegend von d. wohnst du, bzw, musst du hausen?
      Wenn es berlin ist, hätte ich zumindest schon mal eine idee dich aus dem obdachlosenasyl zu bekommen. Für, glaube ich 120€ im monat, steht eine zwar kleine und mit ofenheizung zu beheizende, aber durchaus bewohnbare wohnung seit jahren neben meiner leer. Selbst diese 120€ könnte man zur not in einer gemeinschaftsaktion als spende im monat zusammen bekommen, sollte es daran scheitern.
      Wär gut wenn sich hier lesende da ebenfalls mal einen kopp drum machen, wie man da helfen könnte.
      Gib dich nicht auf und suche kontakt zu den richtigen leuten !

      lieben gruss

      der felix

  3. felix November 25, 2012 um 6:53 am Reply

    Lieber Ralph,

    wenn du erlaubst, ein paar gedanken von mir dazu.

    Auf die empathie der leute zu bauen, heisst auf keinen fall das die es unterscheiden könne, bzw. wollen, ob du nun den vierten tag hungerst, oder den 24. , dein eigener körper aber sehr wohl.
    Möglich das du das anders siehst, aber das was zur zeit erreichbar war, hast du erreicht, ÖFFENTLICHKEIT. Das heisst für den augenblick „nichts weiter“ als einen fuss in der tür, den du jetzt nicht wieder rausziehen darfst.

    Nicht nur wenn ich mich in die öffentlichkeitsmeinung anderer versetzen möchte, auch in meiner eigenen wird es schwierig ein im augenblick weiter hungern wollen, bedingungslos unkritisch zu unterstützen. Für „märtyrer“ hat die öffentlichkeit keinen sinn, zumal wenn es dir wirklich um die sache selbst geht, nicht um deine person und sanktion.

    Genau das wäre jetzt mein weg, zuzugestehen das man nicht verhungern wollte, sich tatsächlich sehr eigenartiges mit den teilrücknahmen bewegt, du zwar jetzt auch deinen hungerstreik beenden wirst, der aber nur mittel zum zweck war, da nun auch öffentlich nicht mehr locker zu lassen, damit sich auch wirklich etwas bewegt, nicht nur feige rückzieher vom job-center, um weiteren ärger zu vermeiden.

    Nö, ihr lieben, hier bin ich, ralph boes, habe mir im namen vieler einen namen für ein dringendes problem gemacht, ich schweige nun ganz bestimmt nicht, wenn ich auch vorerst meinen hungerstreik beende, rechnet weiter mit mir.

    Dann, lieber ralph, um kein stück nachzulassen, dann sind gute aktionen angesagt, boes-aktionen über die man spricht.
    Spontan-idee, um zb. das job-center nicht aus dem gespräch kommen zu lassen, ein größeres „boes-zelt“ direkt vor dem eingang des job-centers, in denen „die kunden“ eingeladen werden ihre eigenen scheiss-erfahrungen mit dem job-center zu dokumentieren und zu sammeln.

    Was würde das job-center zb. machen, wenn ihr eine sammelverweigerung von hunderten in einem center zusammen bekommt, die alle ihre einverständniserklärungsunterschrift verweigerten, alle sanktionieren? Wohl kaum, big problem, was gelöst werden müsste–job-center-streik der betroffenen–sehr pressewirksam.
    Du stellst die richtigen fragen und auch in deinem fall muss es weiter gehen, Aber jetzt eben nicht mehr mit hungern, ralph.

    Bin gespannt wie du das selbst siehst, so oder so alles gute,

    der felix

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