18ter Hungertag

18.11.2012:
Sanktionshungern, Tag 18:
Mir geht es gut – die Grundstimmung geht jetzt mehr in Andacht über. Ich habe irgendwo, als ich zu meiner Religion befragt wurde, einmal geschrieben: „Je tiefer Du wirst, desto mehr wird DAS GANZE LEBEN Religion“. Das bis in den äußersten Alltag hinein zu empfinden, das stellt sich jetzt allmählich ein.

Ansonsten erhalte ich jetzt immer mehr besorgte Mails, dass ich mit dem Hungern aufhören oder zum Arzt gehen solle. … Das werde ich so schnell nicht tun. Nicht äußeren Ratschlägen werde ich folgen, sondern mit meinem tiefsten inneren Gewissen werde ich abstimmen, wie weit ich am Ende gehen werde.
Es wird durch die  Besorgnisse aber eine weitere Dimension der Sanktionen offenbar: Die 10 Euro Praxisgebühr sind nicht mehr da! Wobei ich in durchaus guter Lage bin: Um wie viel schlimmer steht da, wer eine 100% Sanktion erhält – und dem damit zusätzlich die Krankenkasse entzogen ist.

Gewicht heute: 80,8 kg

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8 Kommentare zu “18ter Hungertag

  1. Katherine Dunning November 20, 2012 um 10:36 pm Reply

    Hallo Ralph, alles wichtige zu Deinem Anliegen u Deiner Protestaktion ist schon hier gesagt worden..ich schliesse mich dem langen Kommentar Herrn Simseks an. In einer Entzugssituation wie die momentan Deinige werden Menschen Deiner Art mit hohen ethischen Zielen – was manchmal wie Du richtig erwähnst schon in Richtung Religiosität geht – sich auf die ursprünglichen Quellen besinnen : dazu zählt zum einen die geistig-seelische Verbundenheit mit all denen, die Dich unterstützen, verstehen u Dir nahestehen, alle, die wie Du von Sanktionen betroffen sind, sich freiwillig mit Dir solidarisch erklären und aus Deiner vorbildhaften Aktion Energie und Mut ziehen für den weiteren Kampf Deiner Ideen u deren Umsetzung.
    Zweitens sagst Du wird Deine „innere Stimme“ Dir sagen, wann der Zeitpunkt zum Aufhören/ zur Aufgabe der „physischen“ Seite der Aktion gekommen ist – was aber nicht heißen muß, daß die Protestaktion insgesamt eingestellt wird, sondern nur dieser Teil.. es gilt jetzt schon in die Zukunft hineinzudenken u zu überlegen, in welche Richtung wir uns weiter bewegen wollen.. es spricht hier eine glühende Verfechterin des emanzipator Grundeinkommens und eine Befürworterin piratischer Transparenz..
    schon der sozialhumanitären Ausrichtung Deiner Demonstration wegen, muß der Protest weitergehen – am besten zusammen mit vielen solidarischen Menschen, mit denen Du Kontakt hast u die Du alle mitnimmst in Deiner guten Energie.. in vielen Städten könnten Soligruppen Deine Grundidee weiterentwickeln u in regionalen Aktivitäten/Aktionen umsetzen – dachte gerade als Einstieg an eine Art „sit-in“ mit kleinen aufeinanderfolgenden „Fasten“aktionen, durchaus plakativ u bunt gestaltet..Musik u Rhythmische Begleitung, Verlesen v polit Texten, warum nicht ?
    Übrigens: Die Flensburger würden Dich gerne im zeitigen Frühjahr 2013 zu einer Art Vortrag o Podiumsdiskussion einladen mit dem schönen brisanten Thema „ziviler Ungehorsam als Notwendigkeit“. Vor nicht allzu langer Zeit fand ein Kongress zum selbigen Thema, glaub‘ ich, in Dresden statt. Konnte leider nicht hin. Würde mich freuen, von Dir zu hören, ob Du Dir einen Besuch bei uns hier oben vorstellen könntest.. LG Kate

  2. felix November 19, 2012 um 12:54 pm Reply

    Lieber Ralf, heute werden wir uns kennen lernen und ich hoffe, dir da ein wenig den rücken stärken und auch helfen zu können. WICHTIG ist dein anliegen, nicht dein hungern, das leider nur wenige interessieren dürfte.
    Wie ich leider nur am rande mitbekommen habe, bist du ein glück auch mit der forderung des sanktions-stopps vom job-center nicht alleine und man sollte evt. sehen, sich da mit den richtigen leuten zusammen zu schliessen.
    Du „kennst“ mich unter meinem nick felix und wir telefonierten zusammen, das ich heute abend vorbei komme. Um Dir aber schon mal ein kleines bild von mir machen zu können, gib dafür mal meinen richtigen namen alexander arnold und „ikea“ bei google ein, denn im moment ist die presse voll mit meiner storry als zeitzeuge.

    Versprechen kann ich leider noch gar nichts, aber genau diese gerade aktuellen und vor allem weltweiten pressekontakte, durch meine stasi-haft-ikea-storry, könnten auch Dir nützlich sein, international auf Dein anliegen und „Deine“ storry aufmerksam zu machen. Ob man darauf dann reagieren wird, wenn ich die jeweiligen presseleute darauf aufmerksam mache und anspreche, kommt auch sicherlich darauf an, wie man es formuliert und darstellt. Aber wir quatschen heute abend darüber und werden sehen ob ich hilfreich sein kann.

    Die lebensmittel-scheine abzulehnen, finde ich sehr konsequent, aber MUSST Du deshalb hungern? Könnte es nicht ebenso oder sogar noch viel beschämender und öffentlichkeitswirsamer sein, deshalb nun auf die solidarität und sozialität des volkes, ohne staatliche unterstützung angewiesen zu sein? Leute bringen Dir zb. lebensmittel, nicht damit du nicht hungerst, sondern um ihre solidarität mit dem anliegen zu zeigen?
    Wenn man etwas zu sagen hat, das alle angeht und betrifft und verstanden werden könnte, weiß ich spätestens seit meiner mitarbeit bei greenpeace, das es dabei vor allem auf das WIE und know how ankommt, um auch gehör zu finden.

    Hab noch einen guten tag, ich bleibe gespannt auf heute abend, und werde wohl erst nach 19uhr kommen können, weil ich bis da arbeite.

    cu, der felix

  3. S.Simsek November 19, 2012 um 12:47 pm Reply

    Lieber Herr Boes!

    Wir Menschen sind Junkies. Damit meine ich unser essentielles Verlangen nach Essen, Trinken, Wärme, Obdach, Kleidung und andere essentielle Dinge, ohne die wir leider nicht überleben können. So sind wir eigentlich noch schlimmer als Junkies, denn Junkies sterben nicht, wenn sie ihre Rauschmittel nicht bekommen, doch jedes Lebewesen stirbt, wenn es nicht die essentiellen Güter erhält, ohne die kein Leben lebendig bleiben kann.
    Dem Menschen genau bei diesen essentiellen Dingen Sanktionen aufzuerlegen, ist leider nichts anderes, als ihn mit dem Tod zu drohen, denn ohne Essen und Trinken sterben alle Lebewesen.
    Früher, als man die Sklaverei noch beim Namen nannte, wurde den Sklaven auch gedroht, wenn sie nicht das taten, was ihre Leibeigene von ihnen verlangten. Eigentlich hat sich ja seither nicht viel bei uns Menschen geändert; nur nennen wir die Dinge suggestiv ganz anders, damit nicht der Anschein erweckt wird, dass sich im Grunde nichts geändert hat.
    Heute wie damals drohen die, die am längeren Hebel sitzen denen, die am schwächeren Ende sitzen, mit denselben Konsequenzen: Futterentzug und damit im Grunde mit dem Tod.
    Was sie zurzeit machen ist, genau das in den Fordergrund zu rücken und die Dinge beim Namen zu nennen. Meine Hochachtung für ihren Mut.
    Ich wünsche mir sehr, dass die Menschen, die ihre Aktion mitverfolgen, dies auch begreifen und zu würdigen wissen.
    Im Zeitalter der Technologie und Wissenschaften, in dem immer mehr menschliche Arbeitskraft durch immer mehr Technologie in den Hintergrund gedrängt wird, bei steigender Menschenzahl auf der ganzen Welt und Globalisierung, weswegen die Arbeitskraft der Menschen zu Spottpreisen erworben werden soll, zu sagen, dass die Menschen sich unter diesen Umständen noch Sanktionen am Allernötigsten gefallen lassen sollen, ist das Gleiche, als würde man ihm die alten Sitten der Sklaverei wieder näher bringen wollen.
    Das Humanste, wovon ich in der letzten Zeit je was hörte, war die Idee des BGE. Nichts anderes sonst wird den Menschen aus der Erpressbarkeit und Sklaventum befreien, als die Befreiung seiner Grundbedürfnisse vor Entzugdrohung und damit der Drohung mit dem Tod.
    Ich wünsche uns allen bessere Lebensbedingungen, lieber Herr Boes.
    Mich machen gewisse Zustände ebenfalls ganz BOES.

  4. bernd malze November 19, 2012 um 10:48 am Reply

    Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.

    Mahatma Gandhi

  5. madameflamusse November 19, 2012 um 9:24 am Reply

    Lieber Herr Boes, ich nenne es lieber spirituell, aber im Grunde ist es dasselbe. Wenn man sich nicht einen gewissen Glauben bewahrt und nach den tieferen Dingen im Leben sucht geht man Gnadenlos und ganz schnell unter in einem Arbeitslosensystem wie unserem. Der Vorteil daran am Rande der Gesellschaft zu leben ist der, das man die Dinge mit Abstand betrachten kann. Und vorallem haben Wir Zeit um uns über Dinge Gedanken zu machen, die ein 40 bis xh Arbeitnehmer leider nicht mehr hat und sich selten nimmt, das er ja an „Gütern“ meist gut versorgt ist und keinen Grund sieht sich Zeit zu nehmen um sich Gedanken zu machen. Aber das Leben/ unser Körper spielt da auch nicht immer mit. Das sieht man ja schon an der gestiegenen Zahl von Krankheitsfällen wie Burnout, Depression, Krebs, Rückenbeschwerden etc.
    Ich hoffe Sie halten durch! Auch ich mach mir Gedanken um Ihr hungern. Alles alles Gute!

  6. Stefan H. November 18, 2012 um 10:53 pm Reply

    Ja ich stimme dir zu, das du nicht einfach so aufhören solltest, wenn du es dir noch zu traust, es gibt ja auch leute die aus Religösen Gründen mal 2 Wochen oder so nichts essen, die sind alle auch nicht dann kurz vorm Totalkolaps. 3 Monate wäre natürlich aber zu lange.

    Das machst du schon richtig, wenn dich der Staat wirlich ganz im Stich lässt wäre wohl das letzte und vermutlich auch recht schnell durchführbare bei einem fremden Staat politisches Asyl zu verlangen. Nachdem du hier eventuell abgeblitzt bist oder sie es aussitzen wollen würden, wenn dem so wäre.

    Solange du auch viel aktiv bist und nicht quasi im dunklen Kämmerlein alleine vor dich hin hungerst (was du zum Glück nicht machst) ists schon gut weil die adressaten und verursacher deines Hungerns dann schon aktiv weg schauen müssen um dich zu übersehen.

    Mach weiter so und hoffe das es dann wenn die Massenmedien dich wirklich konsequent ignorieren weiterhin, mach das mit politischem Asyl oder noch was cooleres du hast ja eh selbst die besten Ideen.

    Bist super weiter so !!!

  7. Di Ji November 18, 2012 um 10:52 pm Reply

    Ralf, ich wünsche Dir Klarheit und Weisheit, mit den besten Grüßen

  8. Berthild Lorenz November 18, 2012 um 6:40 pm Reply

    Richtig, ich kann dir aus tiefstem Herzensgrund zustimmen, Ralph, wenn du schrei(b)st: „Nicht äußeren Ratschlägen werde ich folgen, sondern mit meinem tiefsten inneren Gewissen werde ich abstimmen, wie weit ich am Ende gehen werde.“
    Ich freu mich auf morgen Abend; vorher muss ich noch meine Eingliederungs“Verein_BAR_ung“ auf den Weg bringen…
    Herzliche Grüße dir, Berthild

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