17ter Hungertag

17.11.2012:

Sanktionshungern, Tag 17:
Gestern Abend das erste Mal „Freizeit“ in der langen Zeit. Ich wusste nix Gescheites mit mir anzufangen. Da sind Anna und ich dann „Essen gucken“ gegangen …
Scheint gewirkt zu haben:

Gewicht heute immer noch 80,9 kg

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Ein Kommentar zu “17ter Hungertag

  1. shootie November 22, 2012 um 9:25 pm Reply

    Sehr geehrter Herr Boes,

    in den letzten Tagen habe ich von Ihrer Aktion erfahren und möchte mich schon jetzt bei Ihnen bedanken für Ihr Engagement. Fast alles was Sie sagen ist auch genauso für manche der Betroffenen.

    Nach dem Beginn meiner Arbeitslosigkeit standen mir die ersten Monate nur 60 € pro Monat an Sozialleistungen zur Verfügung, völlig zu Unrecht und warscheinlich auf Behördlicher Willkür basierend. Mein Recht erhielt ich erst nach Monaten zugesprochen, leider viel zu spät. Die daraus resultierenden Folgen spüre ich Heute noch immer, psychisch wie physisch. Der enorme und ungerechte Druck dem einem von diesem System aufgezwungen wird breitet sich auch im persönlichen Umfeld aus, sprich Freunde, Familie und Bekannte leider ebenfalls sehr darunten. Das Result dessen ist wie ein Super-GAU.

    Der Wegfall des persönlichen sozialen Netzes, was einem zuvor umgeben und geschützt hat, aufgrund der spontan eingetretenen Arbeitslosigkeit hat meine Psyche innerhalb eines Jahres so sehr verschlechtert das ich mittlerweile nur noch durch puren Zufall existiere. Das verdanke ich nur dem beherzten Eingreifen eines ehemailigen Arbeitskollegen, ohne dem ich jetzt warscheinlich nicht mehr hier wäre.

    Was nach einem Jahr Hartz4 übrig geblieben ist ein zutiefst gebrochener Mensch der seine ursprünglichen beruflichen Fähigkeiten fast nicht mehr nutzen kann, ähnlich wie bei einem Burnout-Syndrom. Die Bedürfnispyramide lässt sich auch von Hartz4 nicht auf den Kopf stellen. Wenn ich wie ein Obdachloser fast den ganzen Tag damit beschäftigt bin meine Mindestbedürfnis zu befriedigen bleibt nichts mehr übrig.

    Unter dem Druck der Arbeitslosigkeit sich dann selber aufgeben und aus der Not herraus in einem Callcenter anschaffen zu gehen sollte diese Qualen lindern, doch weit gefehlt…

    So arbeitete ich dann per Leiharbeitsfirma im Callcenter um dort dann für das “neue” Projekt auch an den Weihnachtsfeiertag weitere Aufträge zu aquirieren, jedoch ohne mein Gehalt zu erhalten. Leider sah mein Weihnachtsfest dann so aus: Heiligabend sowie die beiden darauf folgenden Feiertage musste ich ungewollt hungern, als ich dann mich weigerte in dem Zustand zu Arbeiten und Leistung zu erbringen wurde ich sofort gekündigt.

    Hungern zu müssen ist eine psychische Extrembelastung die zu irrationalen Handlungen führt. Ich denke es ist für unerfahrene eine vergleichbare Situation wie für Herionabhängige auf Entzug. Mittlerweile habe ich mich an’s Hungern gewöhnen müssen, der daraus resultierende Gewichtsverlust ist in meinem Lebenslauf einmalig.

    Mittlerweile bin ich durch die Umstände so sehr erkrankt das es fast unmöglich ist dafür eine richtige Behandlung zu finden. Ärtze, Psychologen und Therapeuten können nur noch meine Symptome lindern, und ich bin mir sehr sicher das Ende dieser Kurve wird für mich in einer unheilbaren Erkrankung enden, ähnlich einer sehr stark ausgeprägten Psychose.

    Somit werde ich als “Kunde” des Jobcenter’s demnächst zum “Kunden” der Psychatrie. Ich bin gezwungen mein “vorheriges” Leben komplett zu vergessen und zu verdrängen um die neue Situation akzeptieren zu können, welches Vorraussetzung für eine teilweise Genesung ist.

    Am schlimmsten für mich war es die Tränen von Freunden und Bekannten fließen zu sehen die das so sehr ergreift und unmächtig werden lässt.

    Ich hoffe auf ein baldiges Ende Ihres Hungerns und wünsche das Sie bei bester Gesundheit bleiben werden.

    Mit freundlichen Grüßen

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